Internet per Funk statt Kabel: Kann 5G den klassischen Festnetzanschluss ersetzen?
Photo: Achim Lammerts (Syntaxys), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Millionen Haushalte in Deutschland – insbesondere in ländlichen Regionen – warten weiterhin auf einen leistungsfähigen Festnetzanschluss. Parallel dazu bauen Telekom, Vodafone und O2 ihr 5G-Netz aus und bieten Tarife an, die den Internetanschluss vollständig über Mobilfunk bereitstellen. Doch kann Funktechnologie das Kabel tatsächlich ersetzen?
Wie funktioniert Internet über 5G zu Hause?
Statt DSL-Modem oder Kabelanschluss kommt ein 5G-Router zum Einsatz, der das Mobilfunksignal empfängt und per WLAN oder LAN im Haushalt verteilt. Die Installation entfällt weitgehend: Router anschließen, SIM-Karte einlegen, fertig. Das macht die Technologie attraktiv für Mieter, Wochenendhäuser und alle, die keinen baulichen Eingriff wünschen.
Geschwindigkeiten im Praxisvergleich
Die Werbeangaben reichen bis zu mehreren hundert Megabit pro Sekunde. Realistisch sind in gut versorgten Gebieten 100 bis 300 Mbit/s im Download – mehr als ausreichend für Streaming, Homeoffice und mehrere gleichzeitige Nutzer. In Randlagen oder bei schwachem Empfang können es jedoch nur wenige Mbit/s sein. Der entscheidende Unterschied zum Festnetz: Die Leistung hängt von der Funkversorgung vor Ort ab und schwankt mit der Auslastung der Funkzelle – abends, wenn viele Nachbarn streamen, sinkt die Bandbreite spürbar.
Volumen, Latenz und weitere Limitierungen
- Volumenbegrenzung: Viele Tarife enthalten ein Datenvolumen, nach dessen Erschöpfung die Geschwindigkeit gedrosselt wird. Für einen Haushalt mit regelmäßigem Streaming und großen Downloads ist ein echtes Flatrate-Angebot ohne Drosselung entscheidend.
- Latenz: 5G erreicht rund 20 bis 40 Millisekunden und liegt damit nahe an gutem DSL. Für Online-Gaming oder Videokonferenzen ist das meist ausreichend, kann bei Funklöchern aber deutlich ansteigen.
- Keine feste IP: Wer einen eigenen Server betreiben oder Fernzugriff auf Geräte einrichten möchte, vermisst häufig eine feste öffentliche IP-Adresse.
- Telefonie: Festnetznummern sind bei reinen Datentarifen nicht immer enthalten; prüfen Sie, ob eine Rufnummer geschaltet wird.
Kosten im Vergleich
Die monatlichen Preise für 5G-Hausanschlüsse bewegen sich meist zwischen 35 und 60 Euro und liegen damit auf dem Niveau schneller DSL- oder Kabelanschlüsse. Entfällt eine Einrichtungsgebühr, ist der Einstieg sogar günstiger. Langfristig gilt jedoch: Glasfaser bietet nahezu unbegrenzte Bandbreite bei stabiler Leistung – der Funkanschluss ist für viele die beste Zwischenlösung, nicht die Endstufe.
Für wen lohnt sich der Wechsel?
Der 5G-Anschluss ist eine Überlegung wert, wenn:
- an Ihrer Adresse kein DSL über 16 Mbit/s und keine Alternative verfügbar ist,
- die 5G-Versorgung vor Ort nachgewiesen gut ist (Abdeckungskarte und ggf. Testtarif prüfen),
- Sie Wert auf schnelle Verfügbarkeit ohne Bauarbeiten legen.
Fazit
5G zu Hause kann das Festnetz dort ernsthaft ersetzen, wo die Funkversorgung stimmt und ein volumenunabhängiger Tarif gewählt wird. Wer auf maximale Stabilität, feste IP-Adressen und zukunftssichere Bandbreite angewiesen ist, sollte den Glasfaseranschluss jedoch langfristig im Blick behalten – der Funkzugang ist der flexible Kompromiss, nicht der universelle Ersatz.