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Alt 18.07.2008, 15:14   #1 (Permalink)
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Standard Mehrwertdienste stark in der Kritik

Zitat:
Preistreiberei und Rechtsverstöße: Das sind die Vorwürfe mit denen sich die Anbieter von Mehrwertdiensten für den Mobilfunk derzeit von neutraler Seite aus konfrontiert sehen.
So ermittelt beispielsweise das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Rahmen einer europaweiten Kampagne gegen Angebote von Mobilfunkanwendungen im Internet. Sie werden dabei auf ihre Rechtmäßigkeit mit Verbraucherschutzgesetzen hin überprüft. Bei zwei Dritteln der kontrollierten Seiten seien bereits Anhaltspunkte für Rechtsverstöße gefunden worden, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der BVL. Diese müssten von den Unternehmen abgestellt werden, lautet die Forderung.
Gegenstand der Untersuchung bildeten so genannte Content Services für den Mobilfunk, etwa Klingeltöne, Logos oder Spiele. Angebote, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten, wurden besonders kritisch beäugt. Durch sie werde eine besonders stark betroffene und verwundbare Kundengruppe angesprochen.
In Deutschland hat das BVL in Zusammenarbeit mit Verbänden insgesamt 30 verschiedene Websites unterschiedlicher Anbieter solcher Mobilfunkanwendungen unter die Lupe genommen. Diese wurden mit Hilfe von Suchbegriffen ausfindig gemacht, die regelmäßig auch von Verbrauchern auf der Suche nach günstigen Angeboten verwendet werden.

Irreführende Angaben zu Preis und Leistung

So wurden etwa die Begriffe „Gratisklingeltöne“ oder „Handylogos“ in bekannte Suchmaschinen eingegeben. Seiten von 20 Anbietern wiesen Anhaltspunkte für Rechtsverstöße auf. Von diesen Anbietern haben 15 ihren Sitz in Deutschland und fünf im Ausland. Die häufigsten Verstöße betreffen irreführende Angaben zu Preis und Leistungsmerkmalen des angebotenen Dienstes oder fehlenden Angaben zur Identität des Anbieters.
Damit konnten die gängigen Erfahrungen vieler Verbraucher bestätigt werden. Nicht selten wird etwa eine Anwendung für den Verbraucher als kostenfrei beworben, obwohl versteckte Kosten für ein Abonnement anfallen. Die Vertragsbedingungen sind oft unauffindbar oder auch in einer fremden Sprache abgefasst. Möchte der Verbraucher sich schließlich beschweren, wird ihm dies vielfach unmöglich gemacht, da die Anbieter ihre Kontaktdaten verschleiern.
Das BVL hat die Aktion in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband als der Dachorganisation der Verbraucherzentralen und -Verbände sowie mit der Wettbewerbszentrale als der größten unabhängigen Selbstkontrollinstitution der deutschen Wirtschaft durchgeführt.

Preisaufschläge von 1000 bis 2000 Prozent

Den Vorwurf der Preistreiberei von Mobilfunkdiensten stützt auch eine aktuelle Studie der Universität Fribourg in der Schweiz. Der Markt für Mehrwertdienste im deutschsprachigen Raum werde nach ihren Ergebnissen in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. In der freien Preisgestaltung der Mobilfunker für diese Angebote, für die sie lediglich den Zugang ermöglichen, sieht sie eine Ungleichbehandlung. In Einzelfällen komme es zu Auswüchsen mit Preisaufschlägen von 1000 bis 2000 Prozent.
Natürlich werde das Geld künftig stärker im mobilen Internet verdient - allein im Jahr 2005 betrug das Umsatzvolumen auf dem deutschen Markt 1,65 Milliarden Euro. "Im Interesse der Verbraucher benötigen wir jedoch bereits jetzt transparente und niedrigere Endkundenpreise in klassischen Mehrwertdienstebereichen – beispielsweise für Anrufe aus den Mobilfunknetzen zu Mehrwertdiensten", lautet die daraus hervorgehende Forderung der Wissenschaftler.
Die Kosten für Gespräche zu Auskunfts- und Mehrwertdiensten aus dem Mobilfunk müssten sich denen aus dem Festnetz angleichen. Da seien die Regulierung und die Politik gefragt. Als Vorbild diene hierzu das in Österreich praktizierte transparente Preismodell: Dort verbleiben vom Endkundentarif 15 bis 18 Prozent beim Mobilfunkbetreiber. Für die gleiche Leistung beanspruchen die Mobilfunkbetreiber in Deutschland jedoch bis zu 52 Prozent.
Von der Bundesnetzagentur erwartet die Studie daher eine stärkere Regulierung dieses Segments sowie verlässliche Rahmenbedingungen, "um Wachstumschancen nutzen zu können und die Preistreiberei der Mobilfunker zu beseitigen". Der Status quo schade nicht nur nachhaltig den „alten“ Mehrwertdienstemarkt, sondern habe auch negative Auswirkungen auf die Konvergenz der Medien. Das Vertrauen in Vergütungssysteme im Mobilfunk werde allgemein nachhaltig geschädigt. "Dies könnte sich auch auf Bezahldienste des mobilen Internets ungünstig auswirken", heißt es abschließend.


Joachim Scheible
Quelle: connect.de
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